Rorkvell

Seit über einem Jahr schon haben die Bewohner des von den Rorwhed-Orks besetzten Städtchens den greisen Häuptling Mardugh Orkhan nicht mehr zu Gesicht bekommen. Als im Efferd 1029 BF der Sternenregen über das Svelltland niederging, zog sich der Gravesh-Priester in seine Schmiede zurück.

Nur seinem alten Gefährten, dem Zwergen Turven Sohn des Turgai, und seinem Ziehsohn Morak Mardugh gewährte er den Zutritt, sowie einigen Sklaven, die unablässig Nahrung, Kohle und von Orkkriegern gefundenes oder erbeutetes Sternenmetall heranschleppten.

»Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, ja, Jahrzeszeit, stets fand ich ihn über die Esse oder Amboss gebeugt, den Hammer fest der Hand, den Blick konzentriert auf das Metall gerichtet, das er gerade mit kräftigen Schlägen bearbeitete. Sein grauer Pelz war an vielen Stellen angesengt, sein abgemagerter Körper unterstrich die kräftigen Sehnen und Muskeln. Keine Ahnung, wann er sich je Ruhe gönnte. In seinen Augen glomm das Feuer des Besessenen, wie ich es erst einmal bei der Verbrennung der alten Lidwunja gesehen hatte, als der Inquisitor sie hinrichtete. (...) Eine Kette, eine in den verschiedensten metallenen Farben schimmernde Kette stellte er her - ein ganzes Jahr lang, ohne Unterlass. Orks!«
-Sklavin Yppa, Efferd 1030 BF

Dieses eine Jahr werden die menschlichen Bewohner Rorkvells nicht so schnell vergessen, witterte doch der ebenfalls nicht mehr ganz so junge Brazoragh-Priester Trufagh Schädelbrecher die Gelegenheit, die Macht über die Rorwhed-Orks zu ergreifen. Kaum ein Getreuer Mardughs hatte dem fähigen Krieger und überzeugten Menschenfeind etwas entgegenzusetzen, der nach einigen blutigen Kämpfen die Häuptlingswürde an sich riss. Ein Jahr lang beherrschte er mit eiserner Hand Rorkvell, während Mardugh Orkhan an seinem Werk schmiedete.

»An dem Tag, als der alte Häuptling aus seiner Schmiede trat, hielten alle gespannt den Atem an. Wie würde er auf die geänderten Verhältnisse reagieren? Hoch erhobenen Hauptes schritt er an Trufagh end den anderen Orks vorbei und würdigte sie keines Blickes. Er trug einen großen Sack auf seinen Schultern, aus dem immer wieder ein metallisches Rasseln zu vernehmen war. Er schritt auf den Zwerg Turven zu, der mit zwei gesattelten und ausgerüsteten Orklandponys auf ihn wartete. Seine letzten Worte galten seinem Ziehsohn Morak: "Dies alles ist dein".
Dann ritt er, zusammen mit dem Zwergen und ohne ein weiteres Wort, davon.«
-Sklavin Yppa, Efferd 1030 BF

Daraufhin soll der ältere Bruder Mardughs, Sholocham Breitschwert, der sich während des Jahrs von Trufaghs Herrschaft ruhig verhalten hatte, eben diesen mit einem einzigen Schwertstreich in Tairachas Reich geschickt haben. Doch statt nun selbst die Oberhäuptlingswürde für sich zu beanspruchen, wie es unter Orks der Brauch war, forderte er den jungen Morak zum Zweikampfauf.

Der ungleiche Zweikampf - Sholocham war Morak um Längen überlegen - sollte allerdings ein überraschendes Ende nehmen, besiegte Morak doch seinen Gegner, der mit diesem letzten Dienst an sei nem geliebten Bruder sein Leben aushauchte. So erlangte der junge Morak Mardugh die Oberhäuptlingswürde. Wohin es seinen Ziehvater, dessen alten Gefährten Turven und die Kette Graveshs zog, ist nach wie vor unbekannt.

© Elias Moussa,Aventurischer Bote 125

Язык: Deutsch | Категория: Литература | Автор: Elias Moussa,Aventurischer Bote 125 | Публикатор: Beatrix | Дата: 20.07.18 | Просмотров: 13 | Отзывов: 0